Mittwoch, 4. Mai 2016

Glück

Bereits vor einem Jahr habe ich mir Gedanken über das Glück gemacht. Wo es herkommt, was mich persönlich glücklich macht. Das Ergebnis damals war: das wahre Glück liegt in einem selbst. Man darf es nicht abhängig machen von den Umständen oder von Personen. Es befindet sich ganz tief verborgen im eigenen Herzen, man muss es nur hervorkitzeln. Der These stimme ich noch immer zu, doch möchte ich sie heute gerne ergänzen. In Sizilien hatte ich ein Gespräch mit meiner Tante, das mir dahingehend erneut die Augen geöffnet hat. Sie erzählte mir, dass es unterschiedliche Arten von Glück gibt, nämlich das Glück im Kopf und das, das aus dem Bauch kommt. Man könnte also sagen, das Kopf-Glück ist ziemlich oberflächlich, hängt an materiellen Dingen und geht nicht in die Tiefe. Im schlimmsten Fall suggeriert der Kopf nur, dass man glücklich ist. Diese Art Glück findet sich in trivialen Befriedigungen, es ist temporär. Wie schön ist auf der anderen Seite das Gefühl des Glücks, wenn es aus dem tiefsten Bauch seinen Weg nach oben sucht, wenn es mit  Wärme und Licht den ganzen Körper erstrahlen lässt? Wenn es aus der Mitte des Körpers in jede Richtung, in jede einzelne Zelle wandern kann. Dieses Gefühl ist es, das das Leben erst lebenswert macht. Wenn man nicht anders kann, als zu grinsen und eine tiefe, elektrisierende Zufriedenheit im Körper spürt.

In einem Buch (Das Aleph, Jorge Luis Borges) bin ich ebenfalls in Sizilien auf einen Satz gestoßen, der mir die Welt offenbart hat: „den Sonnenuntergang betrachten, ohne ihn zu sehen“. Dieser Satz teilt das Sehen für mich in „Augen“ und „Herz bzw. Seele“. Wie oft schauen wir schöne Dinge an, aber sehen sie nicht wirklich? Der Sonnenuntergang ist schön, keine Frage, doch sehen wir nicht, was dahinter steckt. Was der Aufgang und der Untergang der Sonne für uns bedeuten, wie lebenswichtig die Sonne für uns ist. Wir schätzen diese kostbaren Minuten, in denen sie die Auferstehung und die Vergänglichkeit offenbart, nicht. Verbindet man das Sehen mit dem Glück-Ursprung, gehören Augen und Kopf, sowie Bauch und Herz zusammen. Damit landet man bei dem berühmten Satz aus Der kleine Prinz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Obwohl ich den kleinen Prinz gelesen habe und mir dieser Satz durchaus bekannt ist, war die Erkenntnis an sich doch überwältigend. Für einen Moment hat es sich angefühlt, als wäre mir das gesamte Universum offenbar, alles hat sich an seinen Platz gefügt und Sinn ergeben. 


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