Sonntag, 13. August 2017

Anker

Es ist fast ein Jahr vergangen, das herbstliche Wetter ist dem winterlichen gewichen, gefolgt von ein paar warmen Sonnenstrahlen, die sich im Norden wohl "Sommer" nennen. Zwischen viel Regen und einem strahlend grauen Himmel im Nordosten Hamburgs sind wir angekommen. Sind wir angekommen? Wo noch immer freundschaftliche, soziale Löcher darauf warten gefüllt zu werden, sind wir doch immerhin bei uns angekommen. In unserer Wohnung, die das Alte und das Neue wiederspiegelt, und in uns, wo wir uns kaum näher sein könnten. Der (nordische) sprichwörtliche Anker, der wir uns gegenseitig sind. Während äußere Gegebenheiten doch ab und an Zweifel über die Entscheidung aufkommen lassen, wartet zuhause die fleischgewordene Gewissheit, nirgendwo besser aufgehoben zu sein, als hier. Bei dir.


"I love you since the first moment we met and I will love you until the end of time."

Freitag, 30. September 2016

Herbst - Hamburg - Abschied

Es ist wieder Herbst. Die Blätter verfärben sich, es wird kühler, die Dinge verändern sich. Sie haben sich letztes Jahr stark verändert und ändern sich dieses Jahr noch mehr. 
Der Herbst steht für Abschied. Wir verabschieden uns vom Sommer, vom schönen Wetter, von der Leichtigkeit. Doch wir verabschieden uns dieses Jahr von weit mehr. Aber jedes Ende schafft platz für einen neuen Anfang. 



In 10 Tagen geht es los. Unser Abenteuer zu zweit, das immer noch so unreal wirkt.. Das mich aber seit Monaten beschäftigt und wach hält. In 10 Tagen sind wir weg von hier, für unbestimmte Zeit, mindestens 4 Jahre. Weg aus Bayern, weg von den Bergen, weg von den Freunden, weg von der Familie. Nur wir beide, am anderen Ende von Deutschland. Wir starten in eine neue Zukunft, die ungewisser nicht sein könnte. Aber wir haben ja uns, sind uns gegenseitig Fels und Anker. 

Mittwoch, 4. Mai 2016

Glück

Bereits vor einem Jahr habe ich mir Gedanken über das Glück gemacht. Wo es herkommt, was mich persönlich glücklich macht. Das Ergebnis damals war: das wahre Glück liegt in einem selbst. Man darf es nicht abhängig machen von den Umständen oder von Personen. Es befindet sich ganz tief verborgen im eigenen Herzen, man muss es nur hervorkitzeln. Der These stimme ich noch immer zu, doch möchte ich sie heute gerne ergänzen. In Sizilien hatte ich ein Gespräch mit meiner Tante, das mir dahingehend erneut die Augen geöffnet hat. Sie erzählte mir, dass es unterschiedliche Arten von Glück gibt, nämlich das Glück im Kopf und das, das aus dem Bauch kommt. Man könnte also sagen, das Kopf-Glück ist ziemlich oberflächlich, hängt an materiellen Dingen und geht nicht in die Tiefe. Im schlimmsten Fall suggeriert der Kopf nur, dass man glücklich ist. Diese Art Glück findet sich in trivialen Befriedigungen, es ist temporär. Wie schön ist auf der anderen Seite das Gefühl des Glücks, wenn es aus dem tiefsten Bauch seinen Weg nach oben sucht, wenn es mit  Wärme und Licht den ganzen Körper erstrahlen lässt? Wenn es aus der Mitte des Körpers in jede Richtung, in jede einzelne Zelle wandern kann. Dieses Gefühl ist es, das das Leben erst lebenswert macht. Wenn man nicht anders kann, als zu grinsen und eine tiefe, elektrisierende Zufriedenheit im Körper spürt.

In einem Buch (Das Aleph, Jorge Luis Borges) bin ich ebenfalls in Sizilien auf einen Satz gestoßen, der mir die Welt offenbart hat: „den Sonnenuntergang betrachten, ohne ihn zu sehen“. Dieser Satz teilt das Sehen für mich in „Augen“ und „Herz bzw. Seele“. Wie oft schauen wir schöne Dinge an, aber sehen sie nicht wirklich? Der Sonnenuntergang ist schön, keine Frage, doch sehen wir nicht, was dahinter steckt. Was der Aufgang und der Untergang der Sonne für uns bedeuten, wie lebenswichtig die Sonne für uns ist. Wir schätzen diese kostbaren Minuten, in denen sie die Auferstehung und die Vergänglichkeit offenbart, nicht. Verbindet man das Sehen mit dem Glück-Ursprung, gehören Augen und Kopf, sowie Bauch und Herz zusammen. Damit landet man bei dem berühmten Satz aus Der kleine Prinz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Obwohl ich den kleinen Prinz gelesen habe und mir dieser Satz durchaus bekannt ist, war die Erkenntnis an sich doch überwältigend. Für einen Moment hat es sich angefühlt, als wäre mir das gesamte Universum offenbar, alles hat sich an seinen Platz gefügt und Sinn ergeben. 


Freitag, 29. April 2016

Sicilia

Da ich momentan ein bisschen überfordert bin, mit all den Dingen die um mich herum passieren, kommt der Post leider erst zwei Wochen später. Kaum wieder da, bin ich gefangen in Uni, Arbeit und dem Versuch, so viele Menschen wie möglich  zu treffen.

I hitched a ride, I did the coast. To leave behind all of my ghosts.

Freitag, 15. April 2016

Leonardo

Es war eine kalte Winternacht, in der ich Leonardo kennenlernte. Das neue Jahr war gerade erst angebrochen und der Schnee von Weihnachten lag noch immer auf den Straßen. Wie jeden Mittwoch war ich in meiner Stammbar; mittwochs wurden dort Konzerte veranstaltet. Eigentlich war ich zu müde, die Arbeit im Winter ist immer anstrengend. Doch für heute war klassische Musik angekündigt, etwas Ruhiges also, das eine schöne Entspannung für den Abend bot. So saß ich an der Bar, ein Glas Merlot neben mir und lauschte den schönen Klängen des musikalischen Duos, einem Mann am Klavier, einer Geige spielend. Sie spielten eine Mischung aus klassischen Stücken und modernem Pop, doch mich fesselte vor allem das Geigenspiel. Schon als Kind bewunderte ich Geigenspieler, doch dieser hier schien von besonderem Talent ausgezeichnet. Wie hingebungsvoll er spielte! Die Augen geschlossen, ganz eins mit seiner Geige. Mich berührte die Musik, sie durchströmte meinen gesamten Körper, ließ mich ebenfalls die Augen schließen. Ich nippte an meinem Wein. Es war Pause, die beiden Musiker verbeugten sich und verließen die Bühne, während ich nach draußen ging und eine Zigarette anzündete. Es schneite ein wenig, doch ich genoss die frische Luft und die Schneeflocken auf meinem Gesicht. Noch ein Glas Wein, dann würde ich nachhause gehen. Wieder drinnen, standen die Künstler bereits auf der Bühne, beide in pinke Fracks gekleidet.